Sonntag, 5. April 2015

Reportage: Nächstenliebe an Gleis 11

(c) bahnhofsmission.de

Die Bahnhofsmission am Hauptbahnhof München übersieht man leicht und der nie endende Strom von Reisenden zieht täglich daran vorbei. Die schlichte Eingangstür am Rande der Haupthalle an Gleis 11 führt in einen kleinen Aufenthaltsraum. Es riecht nach Schweiß, Tabak - und frisch aufgebrühtem Früchtetee. Der ehrenamtliche Helfer Horst steht hinter einem kleinen Tresen und schenkt jedem freundlich eine Tasse ein. Er trägt eine blaue Weste, auf der "Bahnhofsmission" steht. Es ist eng und laut. Mindestens fünfzehn Leute sitzen dicht an dicht an kleinen Tischen, diskutieren auf Polnisch, Türkisch oder Deutsch.

Es ist ein stressiger Dienstag. Mindestens 300 Menschen kommen täglich in die kleinen Räumlichkeiten der Bahnhofsmission. Die einen wollen sich nur eine Scheibe Brot holen, die anderen kommen für eine Beratung in eines der drei Büros. Der Leiter Sebastian Stockmeier hat das Telefon am Ohr und versucht gleichzeitig eine aufgebrachte Obdachlose zu beruhigen. "Man muss genau wissen, was man was sagt", betont er. "Sonst eskaliert das Ganze schnell." Psychische Erkrankungen und Suizid-Versuche sind Alltag. 150 ehrenamtliche Helfer und zehn Festangestellte versuchen sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang den Zufluchtsort am Laufen zu halten.

"Wer sich nicht abgrenzt, hat verloren"

Ein indischer Mann kommt herein. Er will zu einem Beratungsgespräch. Der Name bleibt anonym, lediglich Geschlecht und Erkennungsmerkmale werden auf einer Liste vermerkt. Der Ausweis muss nur gezeigt werden, wenn es um Geldausgaben oder eine konkrete Unterstützung geht. Allein letztes Jahr gab es 23 000 Beratungsgespräche. Eine Aufgabe, die den Angestellten viel abverlangt. Oft erwarten die Hilfesuchenden eine sofortige Lösung ihres Problems. Klappt das nicht, sind sie enttäuscht oder werden sogar wütend. Stockmeier zeigt die Fluchttüren und Notknöpfe in den kleinen Büros. Auch wenn eine Eskalation beim Gespräch nicht oft vorkomme, wolle man die Sicherheit der Berater auf keinen Fall gefährden.


"Man muss auf alles gefasst sein. Die größte Herausforderung ist aber, sich abzuschotten. Man hat jeden Tag großes Leid vor Augen, das darf man nicht an sich ranlassen," sagt Stockmeier und schaut dabei aus dem Fenster mit Blick auf ein Fünf Sterne Hotel. Ein krasser Unterschied zu den Gegebenheiten hier. Wenigstens gehe die Renovierung voran. Die Büros und der Raum mit den Klappbetten für die Nachtschicht werden gerade saniert. Das Budget reicht, wenn auch knapp.

Die Bahnhofsmission wird von der Stadt München, der katholischen und evangelischen Kirche und Spenden finanziert. Ohne die Ehrenamtlichen wäre diese Institution aber nicht möglich. Auch Juristen und Ärzte setzen sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich ein.

"Manchmal weis man nicht, ob man lachen oder weinen soll"

Die Studentin Anna ist eine der freiwilligen Helfer. Jeden Dienstag und Freitag holt sie 120 kostenlose Brote von der Hofpfisterei ab. "Wenn es kalt draußen ist, brauchen wir noch mehr. Dann müssen wir Brot nachkaufen. Das versuchen wir aber zu vermeiden." Annas Motivation ist die Dankbarkeit der Menschen und der Zusammenhalt der Helfer. "Hier springt jeder für jeden ein, wenn es sein muss."
(c) merkur-online.de/Bodmer

Eine komplett in grün gekleidete Frau kommt plötzlich in die Küche, sie wirkt verwirrt. Sie möchte ein Glas Wasser, aber nur aus einer grünen Tasse. Außerdem ein grünes Oberteil aus der winzigen Kleiderkammer. Die Helfer erfüllen ihr den Wunsch, es ist eine merkwürdige Situation. Es wirkt ulkig, aber dennoch zu ernst um darüber zu lachen. 

"Manchmal sind die Gründe, warum jemand herkommt, echt bizarr", bestätigt Stockmeier. Oft aber auch traurig. Vor einem Jahr kam ein Lette in die Bahnhofsmission. Er wurde aus dem Krankenhaus in Deutschland entlassen und hatte nur Morphium und einen Ärztebrief bei sich. Immer wieder versuchte er verzweifelt, seinen Sohn telefonisch zu erreichen - erfolglos. Stockmeier stand ihm bei, wenige Tage später verstarb der Mann. Bei der Obduktion fand man heraus, dass sein Körper voller Metastasen war. "Das werde ich nie vergessen", sagt Stockmeier. Man merkt, dass ihn dieses Erlebnis nicht loslässt. Trotzdem will er den Job weitermachen. "Es passieren auch schöne Sachen und die sind es wert. Wenn etwas vorangeht, bin ich stolz."

"Die schönen Sachen sind die Arbeit wert"

Stolz kann er zum Beispiel auf den 27-jährigen Polen Jan sein. Vor einem halben Jahr war er noch arbeitslos und ohne Bleibe, konnte kaum ein Wort Deutsch. Jetzt hat er einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma und ein kleines Zimmer in einer WG. Angefangen hat bei ihm alles mit einer Beratung in der Bahnhofsmission. "Über andere polnische Freunde bin ich hierhergekommen", erzählt er mit einem starken Akzent.

Stockmeier bestätigt, dass sich hier richtige Cliquen bilden, meist haben alle die gleiche Nationalität. "Hier findet man immer jemanden zum Reden", berichtet eine dunkelhaarige Frau im Aufenthaltsraum. Sie mustert interessiert jeden, der den Raum betritt. Meist kommt sie am Monatsende zur Bahnhofsmission, wenn das Geld wieder knapp ist, und nimmt Butterbrote mit. Diesmal ist sie hier, um sich eine Fahrkarte zu holen. Obwohl sie als Reinigungskraft in Vollzeit arbeitet, reicht das Gehalt nicht zum Leben. Um Hilfe zu bitten, ist ihr unangenehm. Ein selbstgekauftes Brot schmeckt dem Stolz nämlich immer noch besser, als ein geschenktes.


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Eure Linda


Der wohl 1248934863. Blog auf dieser Welt!

Der Gedanke einen Blog zu haben, beschäftigt mich schon länger. Aber dann habe ich mich oft gefragt: Ist dein Leben wirklich so interessant, dass es die Menschen interessiert? Also habe ich es dann doch immer gelassen, denn Männer-Dramen, verplante Wochenenden und Uni-Stress kennt wohl jeder aus seinem eigenen Leben! :D Und für super schlaue Schmink-Turorials bin ich genauso wenig geeignet, wie für einen Fitness-Blog! :P

Karla Kolumna 2.0


Da ich Journalistik studiere, mache ich immer wieder Projekte für die Uni: Reportagen, Interviews und Porträts. Leider werden die Sachen oft nicht veröffentlicht und ich finde es schade, so etwas nur für eine Note zu machen. Wieso sich also auf ein Thema beschränken? In diesem Blog soll es um München und Lifestyle, aber auch um ernstere Themen gehen!

Nachts hat man die besten Ideen


Jetzt, um 01:16 Uhr nachts, habe ich also den Entschluss gefasst, es doch einfach mal zu versuchen! Und ja ich weiß: Das Blog-Design ist noch nicht so der Brüller! Ich glaube, das dauert noch eine Weile, bis ich mich da durchgefuchst habe! :D

Ich hoffe, euch gefallen die Beiträge! Ich bin immer offen für Feedback, Anregungen und und und!


Eure Linda